DIE NACHKOMMEN
DES EDELHERRN HERMANN BENTELER VON ITTER
BIS ZUM 15. JAHRHUNDERT
von
Michael BENTLER
Der folgende Artikel ist das vorläufige Ergebis einer seit etwa 1977 begonnen
Forschung über den Ursprung der Familie Bent(e)ler. Durch mangelnde Zeit
konnte dieser Arbeit bis jetzt nur unsystematisch nachgegangen werden. Die aufgezeigten
Namen und Daten sind das Resultat einer nur teilweise gezielten Erforschung
der Geschichte unserer Familie und beruht in erster Linie auf Zufallsfunden
von gedruckten und originalen Urkunden bei verschiedenen Aufenthalten in Bibliotheken
und Archiven im Rahmen anderer Arbeiten. Ein systematisches Erforschen der in
Frage kommenden staatlichen, kirchlichen und privaten Archive der Räume,
in denen bentelersche bzw. ittersche Namensträger auftreten, könnte
zu einem endgültigen Ergebnis führen.
Dies ist besonders zutreffend für die Zeit nach 1400, da es bis jetzt im
allgemeinen an gedruckten Veröffentlichungen von Urkunden fehlt, und die
Suche sich nicht nur auf Urkunden beschränken kann, sondern sich auch auf
die in den Archiven befindlichen Akten beziehen muß. Für die Zeit
nach 1600 ist der Zusammenhang für die Linien Dahl, Schwaney und Benhausen
ohne Unterbrechung sicher. Die Linien Schwaney und Benhausen lassen sich über
Dahl nach Borchen zurückführen, wo möglicherweise seit etwa 1400
oder etwas früher Benteler ansässig waren und noch 1607 ein Richter
Johann Benteler erwähnt wird, was auf eine alte Ansässigkeit hinweist.
Weiter besaß der in Dahl lebende Jacob Bentler (*ca.1620 gest.1670) nachweislich
einen Morgen Land im Wewer Wald, also ganz in der Nähe von Borchen. Wie
wir weiter unten sehen werden, tritt in diesem Raum um Borchen und Wewer bereits
der nachweisliche Nachkomme des Edlen Herrn Hermann Benteler, der Knappe Heinemann
von Itter (1324-1358) auf. Auch dessen Söhne oder Enkel Heinrich (1392-1439)
und Johann Benteler sind in diesem Raum bezeugt.
Die Linie in Delbrück-Ostenland geht auf einen in den Jahren 1374-1378
bezeugten Heinrich Benteler zurück, der verheiratet war und zwei Kinder
hatte. Diese Linie starb aber im Dreißigjährigen Krieg aus, und der
Hof wurde wüst. Um 1655 hatte Arndt Horst den Hof übernommen. Er wurde
aber damit nicht fertig und soll nach dem damals schwedischen Pommern gezogen
sein, wie seine Schwestern berichteten. Im Jahre 1660 ließ sich Meister
Hans Mackenberg, der Mundkoch des Fürstbischofs, der mit Anna Dorothea
Horst, der Schwester Arndts, verheiratet war, den Hof übertragen. Er verzichtete
aber, und 1666 übernahm Boris Aleke und seine Frau Engel Spreckmann, die
Witwe des Hermann Renger, den ruinierten, hauslosen Bentelers Hof. Erbin des
Hofes wurde Elisabeth Renger gen. Benteler, die 1673 Meinholf Aleke gen. Furl
und in 2. Ehe 1687 Jost Austenfeld heiratete. Johann Bernhard Benteler, der
Sohn 2. ehe wurde Anerbe. Eine Urenkelin Elisabeth Benteler heiratete 1797 Johann
Georg Schlüter in Steinhorst, der beide Höfe verwaltete. Der ältere
Sohn Jodocus übernahm den Hof Schlüter in Steinhorst, während
sich der jüngere Sohn Heinrich Benteler nannte. Seine Nachkommen sind die
heutigen Besitzer. Inwieweit hier eine vollständige Genealogie erarbeitet
werden kann,ist fraglich. Auch der Zusammenhang mit den im Ort Benteler lebenden
und von ihnen abstammenden Linien ist bis jetzt noch nicht erforscht; auch hier
ging der Name über eine Erbtochter im Jahre 1755 auf die Nachkommen ihres
Mannes Johann Heithorst über. Weiter sollte auch der Zusammenhang mit den
in Balve seit 1525 nachweisbaren Benzler und sonstiger Namensträger in
verschiedener Schreibweise nicht vergessen werden.
Folgender Artikel gibt schon gewisse Hinweise für diese gemeinsame Abstammung.
Eines ist sicher: das Auftreten verschiedener Zweige in geographisch verschiedenen
Räumen läßt sich aus der Vorgeschichte der Edelherren von Itter
erklären, die, aufgrund von persönlichen Beobachtungen, in ihrem ersten
Haus dem weitverzweigten Geschlecht der Esikonen angehört haben müssen.
Auch hier hoffe ich, einmal eine endgültige Antwort geben zu können.
(Siehe meine Arbeiten über Gepa v.Itter.)
Wenden wir uns jetzt aber vorerst dem Edlen Herrn Hermann Benteler von Itter
und seinen Nachkommen oder anders ausgedrückt unseren Vorfahren zu.
Hermann von Itter genannt Benteler war der jüngere Sohn des Edelherrn Hermann,
Herrn zu Itter und seiner Frau Jutta. Der Bruder Hermann Bentelers, Konrad führte
die Hauptlinie auf der Burg und in der Herrschaft Itter weiter. Hermann wurde
sicher als Nachgeborenem mit Streubesitz abgefunden, worunter wohl auch der
seit 1082 bezeugte Oberhof Benteler nördlich von Lippstadt gehörte.
Daß die Edelherren von Itter tatsächlich in diesem Raum Besitzungen
hatten, geht aus verschiedenen im westfälischen Urkundenbuch und sonstigen
Urkundenwerken gedruckten Urkunden hervor. So lassen sich Güter um Lippstadt,
Göttingen an der Lippe bei Benninghausen, Geseke, Langeneike und Erwitte
nachweisen. Im allgemeinen waren sie Lehen der Grafen von Arnsberg, die von
den Edelherren von Itter an einfache Ritter so vor allen an die Herren von Erwitte
afterverlehnt waren.
Hermann Benteler war mit Gertrud Zweifleisch von Englis verheiratet. Die Ehe
muß vor 1238 eingegangen worden sein (siehe Regest, im folgenden R, Nr.2).
Gertrud enstammte einem nicht sehr vermögendem, aber freiem Rittergeschlecht,
das in und bei Großenenglis in der Nähe von Fritzlar Güter hatte,
die wohl von den Landgrafen von Hessen zu Lehen gingen. Wie aus Regest Nr.1
hervorgeht, hatte Hermann Söhne, die auch urkundlich faßbar werden.
So erscheinen als Zeugen Eberhard und Hermann gen. Panzelere(R 5). Hermann ist
nicht identisch mit dem Vater; denn er folgt in der Zeugenreihe dem Eberhard,
was bedeutet, daß er jünger war als dieser. Ein weiterer Sohn ist
ohne Zweifel Johann Penzeler(R 7,8,9), der ja urkundlich auch Miterben hat oder
anders ausgedrückt, Geschwister. Da in der entsprechenden Urkunde nicht
von seinen Erben gesprochen wird, ist es also möglich, daß er nicht
verheiratet war. Er scheint noch 1316 gelebt zu haben; denn sein Haus wird in
Marsberg erwähnt. Ob Eberhard Nachkommen hatte, kann vorerst noch nicht
erwiesen werden. Dagegen ist sein jüngerer Bruder Hermann sicherlich identisch
mit dem Edlen Hermann von Itter, der zu den Verwandten des Eckehard von Helfenberg
gehörte(R 14) und im Jahre 1297 zu Wolfhagen für ihn zeugte und siegelte.
Dieser Hermann ist auf keinen Fall personengleich mit einem etwa zur gleichen
Zeit urkundlichen Hermann, der dem Hauptstamm zu Itter angehörte und Kanohiker
zu Fritzlar war; denn der Hermann zu Wolfhagen war Ritter. Hermann von Itter
(Panzelere) hatte mit aller Wahrscheinlichkeit eine von Helfenberg zur Frau.
Nicht nur die oben erwähnte Urkunde macht das offensichtlich, sondern auch
die Tatsache, daß sein Sohn Konrad von Itter über Güter verfügt,
die aus dem Besitz der von Helfenberg stammten(Siehe R. 16u.23 sowie Anmerkung).
Sicherlich gehört auch Rudolf von Itter zu seinen Söhnen(R 11,12,13);
denn Rudolf ist in der helfenbergschen Familie ein häufig auftretender
Name. Rudolf war Johanniter-Ritter und daher unverheiratet. Möglicherweise
ist auch der 1275 auftretende Penthelerus(R 6) ein Sohn, der eventuell der Stammvater
der 1325 auftretenden Bendel in Wolfhagen sein könnte(R 23,25). Wahrscheinlich
hatte Hermann auch eine Tochter, die mit Ernst von Dinkelburg verheiratet war,
denn Konrad bezeichnet in einer Urkunde von 1325(WUB 9 Nr.2663) diesen Ernst
als seinen guondam gener, d.h. ehemaligen Schwager, was bedeutet, daß
die entsprechende Schwester Konrads zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben war.
Daß Konrad Geschwister hatte, wird außerdem bestätigt durch
einen Passus in einer Urkunde(R 17), wo von seinen Miterben gesprochen wird.
Konrad von Itter erscheint im Jahre 1307 als landgräflich hessischer Schultheiß
zu Wolfhagen(R 15). Im Jahre 1309 schenkt er dem Kloster Hasungen einen Hof
in Zabenhausen, der sicherlich aus helfenbergschem Besitz stammte (R 16). Schenkungen
dieser Art an Klöster wurden gemacht, entweder als Mitgift für ins
Kloster eintretende Söhne oder Töchter oder aber als Memorienstiftung
für sich, seine Geschwister oder Eltern sowie auch für den "Einkauf"
einer Grabstätte. Es ist daher anzunehmen, daß der Vater oder die
Eltern Konrads in Hasungen begraben wurden, was um so wahrscheinlicher ist,
als auch die von Helfenberg in diesem Kloster ihr Familienbegräbnis hatten.
Seit 1313 läßt sich Konrad im Dienst des Paderborner Bischofs Dietrich
von Itter nachweisen. Er war Dapifer (= Drost bzw. Truchseß) der Paderborner
Kirche und hatte vom Bischof und dem Domkapitel die Trendelburg zu Pfand. Konrad
gehörte zu den freien Lehensleuten des Bistums; denn als unfreier Dienstmann
hätten Bischof und Domkapitel es nicht für nötig gehalten, sich
die Offenhaltung der Burg verbürgen zu lassen(R 17). Weiter wurde ihm im
Jahre 1315 zusammen mit Raveno von Kalenberg die Burg Herstelle übertragen(R
18).
Aus dem Jahre 1324 ist eine wichtige Urkunde erhalten, die endgültig bestätigt,
daß Konrad ein Nachkomme Hermann I. Benteler ist(R 20). Konrad muß
das Kloster Haina wegen Gütern in Herzhausen (Herrschaft Itter) bedrängt
haben; denn er verzichtet auf sein bisher verfochtenes Recht gegenüber
diesen Gütern und sichert dem Kloster das ungestörte Eigentum zu.
Um etwa 1240 hatte seinerseits Hermann I. Benteler dasselbe Kloster wegen Gütern
im benachbarten Lotheim bedrängt, aber ebenfalls Verzicht geleistet, weil
er bei der ursprünglichen Übertragung weder Ehefrau noch Söhne
gehabt hatte (R 1). Zwischen etwa 1230 und 1260 ziehen sich in beiden Orten
Übertragungen an das Kloster Haina hin(s.z.B.R 4). Diese Güter und
Rechte gingen von den Grafen von Nassau zu Lehen. Es ist möglich, daß
Konrad als Enkel Hermanns versuchte die Übertragung der Güter in Herzhausen
rückgängig zu machen, da sein Großvater ursprünglich, nachdem
er Frau und Söhne hatte, nur für Lotheim Verzicht leistete.
Konrad war mit einer Hildegund verheiratet und hatte neun Kinder(R 21,22,23).
Er erscheint im Jahre 1327 zum letzten Mal urkundlich und zwar tritt er unter
den Vermittlern des Paderborner Bischofs in dessen Streitsache mit der Stadt
Warburg auf(R 24).Gewohnt zu haben scheint er in oder bei Borgentreich.
Von Konrads Kindern tritt Heinemann urkundlich vorläufig am häufigsten
auf. Im Jahre 1340 verkauft er zusammen mit seinem Bruder Albert vom Landgrafen
von Hessen zu Lehen gehende Güter vor Grebenstein (bei Hofgeismar)(R 26).
Dieser Verkauf wird fünf Jahre später vom ältesten Bruder, dem
Geistlichen Johann von Itter bestätigt (R 27). Aus dem selben Jahr liegt
eine weitere Urkunde vor, aus der wir den Namen der Frau des Heinemann erfahren.
Sie hieß Hadewig(R 28). Diese Urkunde ist aber noch von weiterem Interesse.
Heinemann erhält als Pfand die kleinen Zehnten aus Ortschaften der unmittelbaren
Umgebung Paderborns und zwar aus den heute ausgegangenen Orten Holthausen etwa
3 km nördlich von Wewer, Graffeln und Borglere bei Brenken sowie ebenfalls
bei Brenken dem heute noch bestehenden Ort Ahden. Weiterhin erscheint Heinemann
verschiedentlich als Zeuge bei diversen Güterübertragungen; so zweimal
für Mitglieder der Familie von Etteln im Ort Etteln(R 29 u.30) in den Jahren
1353 und 1354 und im Jahre 1358 bei einer Übertragung der Brüder Cord
und Albert Schelen in Alfen(R 32). Albert Schele hatte eine Frau namens Drude.
Es wäre möglich, daß sie personengleich mit Heinemanns Schwester
Drudeke ist. Nach 1358 erscheint urkundlich Heinemann nicht mehr. Wir erfahren
aber noch für das Jahr 1356(R 31), daß Heinemann mit Mitgliedern
anderer Adelsfamilien in eine Fehde mit der Stadt Wolfhagen verwickelt gewesen
sein muß; denn er bestätigt mit diesen Rittern eine alte Sühne
mit der Stadt.
Es ist urkundlich noch nicht bekannt geworden, ob Heinemann Kinder hatte. Aber
durch sein Auftreten im unmittelbaren Raum Paderborns sowie durch das Erscheinen
von Bentelerschen Namensträgern seit dem Ende des 14. Jahrhunderts in eben
diesem Raum, müssen wir davon ausgehen, in diesen Benteler seine Nachkommen
zu sehen. Dies wird nicht nur direkt durch den Namen Benteler-Penzeler erwiesen,
sondern auch indirekt wie weiter unten ausgeführt.
Es sollten daher kurz noch ein paar Ausführungen zu dem Namen Benteler
gemacht werden. Wie einleitend gesagt, rührt dieser Name von dem nördlich
von Lippstadt liegenden Hof Benteler her. Selbst wenn er sich nicht direkt im
Besitz der Edelherren von Itter nachweisen läßt, so lassen sich aber
in unmittelbarer Nähe tatsächlich Güter dieses Hauses erweisen.
Wenn jetzt eines der Mitglieder dieser Familie den Namen Penceler, Penzeler,
Benzeler u.ä. trägt, dann bestehen keine Zweifel, daß auch dieser
Hof zu den in der Nähe der Lippe liegenden Besitzungen der Itter gehörte.
Alle Namensforscher sind sich darüber einig, daß die verschiedenen
Schreibweisen ein und derselbe Name sind. Nur über die Bedeutung des Namens
gibt es unterschiedliche Meinungen. Für die einen bedeutet es Korbwagenmacher,
für die anderen Binsenlar,d.h. eine Weide bei Binsen; denn "Lar"oder
"Ler" bedeutet Weide. Ich gehe davon aus, daß das "Bente"für
den Namen "Benit" steht, d.h. entweder Benedikt oder Bernhard. Südlich
einer Sprachlinie, die etwa von Köln nach Kassel führt, der sogenannten
"ick/ich" Grenze, wird aus diesem "Benit" Ben(t)ze, Penze
u .a. "Benteler" bedeutet also Weide des Benedikt oder des Bernhard,
wobei letzterer vorzuziehen ist; den Bernhard war im altsächsisch westfälischen
Raum ein äußerst bodenständiger Name. Der nahmengebende Hof
erscheint in einem Zehntverzeichnis des Kloster Werden im Jahre 1082 als Binithlari,
hundert Jahre früher erscheint im gleichen Verzeichnis und an gleicher
Stelle ein UUinico = Binito oder anders ausgedrückt Benit. Wohin dieser
namengebende Bernhard gehört, wird sich wohl schwer nachweisen lassen.
Wenden wir uns aber jetzt wieder den Nachkommen Heinemanns von Itter zu, dessen
Urgroßvater und Großvater eben diesen Namen "Benteler"
in der südlich der "ick/ich" Grenze üblichen Schreibweise
trugen.
Aus einer Urkunde des Jahres 1392(R 36) erfahren wir, daß ein Heinrich
Benteler einen Vater Heinrich hatte, der zum damaligen Zeitpunkt verstorben
war. Die Mutter des Heinrich, Bate = Elisabeth, hatte einen zweiten Mann, den
Knappen Cord von Elmaringhausen. Wir wissen weiter, daß Elisabeth die
Tochter des Paderborner Bürgers und bischöflichen Amtmannes Heinrich
Hartmann war. Aus anderen Zeugnissen erfahren wir, daß Elisabeth bereits
im Jahre 1369 mit Cord von Elmaringhausen verheiratet war und Kinder mit ihm
hatte, die bereits urkundlich zeugen. Wir müssen daher davon ausgehen,
daß der Heinrich Benteler, der erste Ehemann der Elisabeth Hartmann gegen
1360 gestorben sein muß. Heinrich und Heinemann sind der gleiche Vorname.
So erscheint Heinemann von Itter auch als Heinrich(R 21), und nach 1358 ist
er urkundlich nicht mehr nachweisbar. Könnte er der erste Ehemann der Elisabeth
gewesen sein? Das würde aber bedeuten, daß Heinemann zweimal verheiratet
war; denn 1345 erscheint er mit einer Hadwig als Ehefrau.
In den Jahren 1374 bis 1378 haben wir Nachricht von einem weiteren Heinrich
Benteler, der zu Delbrück wohnte und zwei Kinder hatte und auch der Sohn
eines Heinrich war(R 33,34,35). Dieser Heinrich kann der erste Ehemann der Elisabeth
Hartmann nicht gewesen sein; denn sie war zu dieser Zeit bereits mit Cord von
Elmaringhausen verheiratet; außerdem hatte sie mit ihrem ersten Mann drei
Kinder, außer Heinrich, noch Johann(R 37) und Beatrix(R 44). Es besteht
daher die Vermutung, daß der Delbrücker Heinrich ein Sohn aus der
ersten Ehe des Heinemann mit Hadwig ist. Das mehrmalige Vorkommen gleicher Vornamen
bei Geschwistern und hier sogar Halbbrüdern war zu damaliger Zeit nichts
außergewöhnliches.
Der Heinrich zu Delbrück hatte Ländereien, die in die dortige Markgenossenschaft
gehörten, das heißt, er saß wohl auf seinem eigenen Grund und
Boden; dagegen war er aber vom Bischof und der Paderborner Kirche abhängig.
Es war keine dingliche sondern eine persönliche Abhängigkeit; er war
aber weder leibeigen noch eigenbehörig. Wir erfahren, daß er amtshörig
war(R 33) oder anders ausgedrückt, der Bischof und die Paderborner Kirche
übten über diesen Heinrich, der auch als Hausgenosse des Bischofs
bezeichnet wird, eine Schutz- und Schirmherrschaft aus; als Gegenleistung hatte
er gewisse Verpflichtungen zu erfüllen(s.auch Anmerkung zu R 33). Vergleichen
kann man diesen Zustand etwa mit unserer heutigen Staatsangehörigkeit.
Nur leben wir heute nach einem einzigen Recht, während in damaliger Zeit
die Menschen in verschiedenen Rechtskreisen leben konnten, die sich teilweise
auch überschnitten. So konnte z.B. ein Ritter oder ein Ritterbürtiger
gleichzeitig Bürger einer Stadt und Dienstmann oder freier Ritter sein.
Die ritterliche Geburt konnte sich mit unfreier, halbfreier und vollfreier Geburt
überschnei den. Erst mit dem Abschließen des Ritterstandes im Laufe
des 15. Jahrhunderts wurden die Ritterbürtigen zu einem eigenen Geburtsstand.
Was den Heinrich in dieses Abhängigkeitsverhältnis brachte, konnte
bis jetzt nicht geklärt werden.
Sicher ist, daß er aus der Amtshörigkeit entlassen wurde. Dazu mußte
er einerseits einen Ersatz stellen, zum zweiten das fahrende Habe, d.h. die
Mobilien mit seinen Kindern teilen. Der Wert dieses Vermögens wurde auf
28 Mark geschätzt, eine zu damaliger Zeit bedeutende Summe. Der Gegenwert
entsprach etwa den Besitzungen des Heinrich Benteler, Sohnes der Elisabeth Hartmann,
die dieser dem Kloster Böddeken schenkte(R 45, s.auch R 28). Über
das weitere Schicksal des Heinrich, seiner Frau und seinen zwei Kindern konnte
bis heute nichts ausfindig gemacht werden.
Es ist Heinrich, der Sohn der Elisabeth, der uns eine ganze Reihe Zeugnisse
seines Lebens hinterlassen hat, Zeugnisse, die weiterhin möglich machen,
daß er ein Sohn des Heinemann von Itter ist. Heinrich war Priester und
Benefiziat am Paderborner Dom. Er hatte dort das zweite Benefizium in der Engelskapelle
zu Lehen, dessen Stifter und Lehnsherr ein Gottfried von Borchen war. Die Ritterfamilie
Schele nannte sich teilweise von Borchen, und eine Tante Heinrichs könnte
die Drude sein, die mit dem Knappen Albert Schele verheiratet war; dies könnte
erklären, daß Heinrich wohl der erste Inhaber dieses Benefiziums
war. Heinrich erscheint auch verschiedentlich als Vertreter des Dompropstes(R
39,40,41). Er ist daher auch der ohne Namen genannte Offizial des Dompropstes,
der im Jahre 1417 eine Urkunde ausstellt(R 42) und sie mit einem Siegel versieht,
mit dem Bild eines hersehenden Ochsen- oder Büffelkopfes. Eben dieses selbe
Siegelbild wird seit Konrad von Itter(R 20) -auch Heinemann von Itter(R 29)-
statt des Itterschen Löwen von den Nachkommen Hermann Benteler von Itter
benutzt. Der Zusammenhang Benteler Itter wird somit nicht nur über den
Namen nachgewiesen, sondern auch über das gleiche Wappenbild, den hersehenden
Ochsen- bzw. Büffelkopf. Es könnte sich eventuell sogar um ein sprechendes
Wappen handeln, mit Anspielung auf das "Ler" = Weide im Namen Benteler.
Des Heinrich andere Urkunden sprechen aber noch weiter. So hinterläßt
er einen großen Teil seiner Güter dem Kloster Böddeken(R 44,45).
Dieses starke Interesse für das Kloster ist auffällig. Vor seiner
Umwandlung im Jahre 1409 in ein Kloster für Regularkanoniker, war Böddeken
ein Frauenkloster. In den Jahren 1333 und 1384 wird dort jeweils eine Dechantin
Elisabeth von Itter nachgewiesen. Es scheint nicht ein und die selbe Person
zu sein. Die erste Elisabeth gehörte wohl ohne Zweifel zum Hauptstamm Itter,
dagegen besteht die Möglichkeit, daß es sich bei der zweiten um die
gleichnamige jüngere Schwester Heinemanns handeln könnte. Es ist daher
wohl anzunehmen, daß Heinemann in dem Kloster seine letzte Ruhestätte
gefunden hat. Heinemann, wie wir sahen, zeugte urkundlich mehrmals für
Mitglieder der Familie von Etteln, die zu den Dienstleuten des Klosters gehörte;
und es könnte sein, daß Hadewig auch eine von Etteln war.
Sicher ist aber auch, daß Heinrich, wie damals üblich, im Kloster
Böddeken sein Grab zu haben wünschte, und unverheiratete Kinder sich
oft aussuchten, bei den Eltern begraben zu werden. Diese Beweggründe werden
Heinrich dazu gebracht haben, das Kloster so reichlich zu beschenken. Weitere
Güter Heinrichs gingen an die Domkirche zu Paderborn; so inkorporierte
er schon zu seinen Lebzeiten die Einkünfte seiner Anteile an der Saline
zu Westernkotten in sein Benefizium. Außerdem muß er den Priestern
des Domes ein Grundstück geschenkt haben, welches südlich vor Lippstadt
lag, und die sogenannte Bentelers-Brede hieß, wie aus zwei Urkunden aus
den Jahren 1465 und 1471 hervorgeht(R 46). Es ist auch hier anzunehmen, daß
es sich dabei um alten Itterschen Besitz gehandelt haben muß, der ja wie
schon angeführt in unmittelbarer Nähe urkundlich nachweisbar ist.
Von Heinrichs Schwester Beatrix wissen wir nur, daß sie noch 1439 in Heinrichs
Haus in Paderborn lebte. Auch von seinem Bruder Johann konnte bis jetzt nur
das erfahren werden, was uns die Urkunde aus dem Jahr 1393 zeigt, daß
er zusammen mit Heinrich von seinem Stiefvater, seiner Mutter und seinen Stiefgeschwistern
eine Rente aus einem Garten vor Paderborn am Borcher Weg kaufte. Aller Wahrscheinlichkeit
nach ist Johann der Stammvater der zu Borchen lebenden und von da nach Dahl,
Schwaney und Benhausen gegangenen Bentelers. Die Dahler Linie läßt
sich bis auf einen vor 1633 gestorbenen und wohl gegen 1570 in Borchen geborenen
Hermann in ununterbrochener Stammfolge nachweisen, dessen Enkel Jacob noch urkundlich
einen Morgen Land im Wewer Wald besaß, und dessen Bruder der wohl 1607
erwähnte Johann Benteler, Richter zu Borchen, ist.
Zwischen 1400 und Anfang des 17.Jahrhunderts erscheinen noch eine ganze Reihe
Namensträger, die sich aber bis jetzt noch nicht genealogisch einordnen
lassen, so 1453 ein Heinrich und Hermann, die je einen "domus" zu
Benteler besaßen, zwischen 1484 und 1504 ein Everd Bentler im gleichen
Ort, wohl der Sohn einer der beiden, 1492 ein Johann Benteler, Student zu Köln
um nur einige zu nennen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß der Zusammenhang Itter Benteler
genügend aufgezeigt wurde, um auch nur die leisesten Zweifel an der Abstammung
von den Edelherren von Itter zu haben und, daß das Auftreten der Bentelers
im Paderborner Raum zweifellos auf Heinemann von Itter zurückzuführen
ist, der mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mit dem urkundlich herauszusehenden
gegen 1360 verstorbenen Heinrich Benteler identisch ist. Alle anderen sonst
anzutreffenden Benteler-und Itter-Linien werden wohl auf Brüder Heinemanns
bzw. auf Brüder seines Vaters Konrad zurückzuführen sein. Alle
diese Linien lassen sich in einem Raum nachweisen, in dem die Edelherren von
Itter Güter hatten, also in den Gebieten der ehemaligen geistlichen Fürstentümer
Paderborn, Münster, Köln und Mainz und angrenzender Territorien weltlicher
Fürsten. Die wirtschaftliche Basis wird durch zahlreiche Erbteilungen so
geschwunden sein, daß im Laufe des 15. Jahrhunderts der soziale Abstieg
ins Bauerntum endgültig vollzogen war, ein Vorgang, der sich gerade im
Paderborner Raum zahlreich nachweisen läßt.